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Majorosi Anna
Tigerente
& Co … Empfehlungen zur Auswahl von deutschsprachigen
Zeichentrickfilmen für die Schule und für
zu Hause
In den letzten zwei Jahren wurde ich von Kolleginnen,
Kollegen und Bekannten wiederholt gefragt,
ob und wie wir, als Germanistenehepaar, unserem
jetzt gerade vierjährigen Sohn die deutsche
Sprache beizubringen versuchen. Da es uns
unnatürlich schien, mit ihm in bestimmten
Situationen konsequent Deutsch zu sprechen,
tun wir Folgendes:
Wollen wir mit meinem Ehemann Fragen besprechen,
von denen wir meinen, sie sollten unser Sohn
nicht mitgekriegt werden, dann wechseln wir
ins Deutsche über, wir verfahren also – mit
Hilfe der Code-Wechsel – nach der alten (auch
in Ungarn oft im Original zitierten) Parole
„Nicht vor dem Kinde“.
Da wir viele Freunde und Bekannten im deutschsprachigen
Raum haben, und uns als Germanisten auch selbst
ab und zu in einem deutschsprachigen Land
aufhalten, verfügen wir über relativ viele
deutschsprachige Kinderbücher. Diese lesen
wir ihm immer auf Deutsch vor, wobei ich sagen
muss, dass unser Sohn manchmal auch nachfragt,
was das denn genau bedeute.
Wir haben aus prinzipiellen Überlegungen keinen
Satelliten-Schüssel installieren lassen, was
zur Folge hat, dass wir unsere Haus DVD-thek
ständig erweitern, vor Allem mit deutschsprachigen
Filmen, die von Kindern im deutschen Sprachraum
gern angeschaut werden. Bis jetzt ist es uns
meistens gelungen Zeichentrickfilme zu besorgen,
die von deutschsprachigen Filmemachern für
ein deutschsprachiges Publikum geschaffen
worden sind.
Da es in vielen fachdidaktischen Publikationen
beschrieben wurde, wie man Zeichentrickfilme
auswählen und didaktisieren soll, möchte ich
jetzt nicht die Anzahl der Artikel erhöhen,
die eine Didaktisierungsanleitung von einem
bestimmten Zeichentrickfilm oder Didaktisierungsprinzipien
überhaupt bieten. Vielmehr mache ich konkrete
Vorschläge, welche Zeichentrickfilme meiner
Meinung nach Kleinkinder, größere Kinder und
sogar Erwachsene ansprechen. Da die Form einer
Online-Publikation dies ermöglicht, füge ich
auch die Fotos der Figuren bzw. DVD-Hüllen
ein, um diese dem Leser greifbarer zu machen.
Am Anfang war Janosch (auch ein Lieblingsautor
von Anna Szablyár) mit seinen verschiedenen
Geschichten, die wir seit der Wende gekannt
haben. Vor einigen Jahren hat man endlich
den Janosch Klassiker, Oh, wie schön ist Panama
auch ins Ungarische übersetzt, aber ein Janosch-Kult
(von Ziehtigerenten bis Tigerenten-Ausstechformen)
scheint sich in Ungarn im Gegensatz zum deutschsprachigen
Raum nicht wahrnehmbar zu sein.

Die Abenteuer von Tiger, Bär und Antje kann
jeder Generation etwas bieten (von drei Jahren
bis 99, wie es oft auf Brettspielen steht),
sogar in der Schule für Lernende auf der Stufe
B1+, B2 können die Geschichten für jede Altersstufe
auch landeskundlich relevant sein. Von dieser
DVD würde ich die gemeinsame Reise mit einem
Krabbenkutter nach Hamburg besonders empfehlen;
diese Geschichte bietet die Gelegenheit, die
Varietäten der deutschen Sprache zu thematisieren
(Schlüter, der Fisch im Eimer spricht ein
österreichisches Deutsch, welches gut zu vergleichen
wäre mit der norddeutschen Varietät des Walrosses
und der im Kamin eingenisteten Mäuse).

Die
ebenfalls empfehlenswerten Geschichten von
Janosch Papa Löwe und seine glücklichen Kinder
sind sprachlich etwas anspruchsvoller, als
die Abenteuer von Tiger, Bär und Antje und
können problemlos auch in Kursen mit Erwachsenen
bearbeitet werden. In der Löwen-Familie braucht
man kein Wort über die Emanzipation der Frauen
zu verlieren: Mama-Löwe ist erwerbstätig und
Papa Löwe managt locker zu Hause die sieben
Kinder. Mit recht viel Geduld und beneidenswertem
Einfallsreichtum, da die Kleinen ja „Recht
auf eine artgerechte Erziehung“ haben. Die
Geschichten der Löwen-Familie sprechen sowohl
Kinder als auch Erwachsene an, manche Kernaussagen
können auch als Erziehungsratgeber funktionieren,
etwa „Erfahrungen sind wie Apfelkuchen, selbstgemacht
schmeckt am besten“.
Wenn wir bei Filmen sind, die nicht nur für
Kinder gedacht sind, dürfen wir den deutsch-ungarischen
Klassiker, Pumuckl nicht vergessen. Ich erinnere
mich an meine Jugend; wie gern meine Großmutter
sich die Kobold-Geschichten angeschaut hat.
Ich war damals in einem Alter (ca. 14-15),
wo diese mich ganz kalt ließen.

Ein
großer Renner bei Kindern und Erwachsenen
im deutschsprachigen Raum sind zur Zeit die
Geschichten mit dem allein stehenden alten
Mann, Petterson (in der ungarischen Übersetzung
Pettson) und seinem gestreiften Kater, Findus.
Die schwedischen Geschichten eignen sich sehr
gut auch zum Einsatz im Deutschunterricht
(auch Stufe B1+/B2), da sehr deutlich gesprochen
wird, oft Wiederholungen vorkommen und das
Leben im fortgeschrittenen Alter als etwas
ganz Normales dargestellt wird. Für Ungarn
ist es außerdem interessant, dass bei der
Herstellung des Zeichentrickfilmes viele Landsleute
mitgewirkt haben, denen sehr wohl eine für
Schweden sicher exotisch klingender Namensgebung
zu verdanken ist: im Teil 10, im Zirkus heißt
der Zirkustiger Istvan.

Auch
kein deutscher Film ist die Serie, Thomas,
die kleine Lokomotive, der kleine Jungs im
Vorschulalter und auf der Primarstufe begeistert.
Wie das auch das Foto zeigt, sammeln wir seit
zweieinhalb Jahren leidenschaftlich die verschiedenen
Lokomotiven und Spielzeuge zum Film.

Genauso
leicht wie die oben erwähnte ist die Serie,
Bob, der Baumeister zu verstehen, deren Geschichten
auch mit Duplo-Steinen nachzuspielen sind.
Auch die Homepage von Bob, der Baumeister,
bietet Kindern (eher Jungen) im Kindergartenalter
und in der Grundschule gute Möglichkeiten
zum Sprachlernen.

Für
diese Altersstufe, sowohl für Jungen als auch
für Mädchen eignen sich sehr gut die Geschichten
vom kleinen Rabe Socke. Die Geschichten fokussieren
auf einzelne Themen, wie Eierfärben, Urlaub
machen, und benutzen einen Wortschatz in einem
Tempo, der/das diese für den schulischen Gebrauch
optimal verwendbar macht (Stufe A1+/A2).

Kindern
bis 10-11 Jahren zu empfehlen sind die kurzen
Geschichten von dem Regenbogenfisch, die sich
im Meer spielen und wichtige Seiten des Lebens
wie die verschiedenen Seiten der Freundschaft,
Familie, Geschenke bekommen und Schenken usw
thematisieren. Sprachlich sind diese anspruchsvoller,
als die Geschichten von dem vorher erwähnten
Raben.

Die
kurzen Geschichten sowie die langen Kinofilme
von Lars, dem kleinen Eisbären verzaubern
sowohl Kinder als auch Erwachsene, besonders
hervorzuheben sind die Stimmen im Kinofilm,
die einem noch Stunden später im Ohr klingen.
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