| Kaponya
Zoltán
Der
‚Halbgott’, der ‚Teufel’ und der ‚Vater’ in
einer Person. Der Charakter des Herzogs in
Schillers Drama Wallensteins Lager.
1.
Problemstellung
Friedrich
Schillers Wallenstein-Trilogie bildet ohne
Zweifel einen Höhepunkt der deutschen klassischen
Dramenliteratur. Die mühe– und qualvolle Arbeit,
die Angst vor der dramatischen Bearbeitung
der historischen Quelle sind in Schillers
Korrespondenz mit Goethe, Humboldt, Körner
zu verfolgen. Das Ringen mit dem riesigen
Stoff, die Verzweiflungen und Schwierigkeiten
sind nicht nur im Briefwechsel, sondern auch
in einer Novelle zu lesen: Thomas Manns Schwere
Stunde aus dem Jahre 1905 thematisiert die
literarische Auseinandersetzung Schillers
mit Wallenstein und dem Dreißigjährigen Krieg.
Die Trilogie hat eine außerordentliche Wirkung
nicht nur in ihrer, sonder auch in der Nachfolgezeit
errungen, und paralell damit eine Fülle von
Deutungschwierigkeiten gezeitigt. Über die
Problematik des Charakters des Titelhelden
Wallenstein entstanden zahlreiche fachliterarische
Studien, die die Problematik auf je andere
Art mit je anderen Mitteln zu lösen versuchen.
Helmut Koopmanns Schiller-Biographie liefert
einen knappen Einblick in diese Vielfalt an
Interpretationen . Die meisten Deutungen
beschränken sich darauf, den Charakter des
Herzogs anhand der zwei ‚Hauptteilen’ der
Trilogie – Die Piccolomini und Wallenstiens
Tod – zu interpretieren, die Funktion des
ersten Teiles ganz außer Acht lassend. Diesem
Teil wird ‚nur’ die Aufgabe eines Vorspiels
zugeschrieben, und damit wird er auf die Stufe
einer Charakterexposition ‚degradiert’ .
Diese ‚Betrachtung’ bestimmt das Ziel der
vorliegenden Arbeit. Im folgenden wird der
Versuch unternommen, Wallensteins Lager aufgrund
der Charakterisierungsperspektiven von Wallensteins
Figur zu analysieren und die ‚akzeptierte’
Funktion des Werkes zu überprüfen.
Das Lager wurde anhand der Charakterisierungsperspektiven
in drei Teile aufgeteilt, die voneinander
abgetrennt beabeitet werden. Die Ergebnisse
der Analysen wurden in dem letzten Kapitel
zusammengefasst und die problematischen Fälle
erörtert.
Bevor die Analyse ihren Lauf nimmt, wird festgehalten,
daß der Begriff Charakter – sowie die anderen
Termini – im Sinne von Bernhard Ausmuths Dramentheorie
verwendet werden.
2. Über die Funktion des Lagers in der Trilogie
Auf
Goethes Rat hat Schiller zu seinem Wallenstein-Drama
einen weiteren Teil hinzugefügt, das Lager.
Man erkennt sofort, welche Funktion dieser
Teil erfüllt. Er führt das Publikum in die
Geschehnisse des Dreißigjährigen Krieges ein
und demonstriert, wie sich die Soldaten und
die Bauern in diesem Krieg verhalten.
Wie Benno von Wiese so treffend behauptet,
ist die Situation ein „[…] malerischer Querschnitt
durch das gesamte militärische Leben des 30
Jährigen Krieges […]“ . Das Leben und die
Verhältnisse sieht man durch die Augen der
Soldaten, Bauern, Bürger, die alle Dulder
und Opfer des Krieges sind. Aus dieser Schicht
besteht die unterste Ebene im Drama bzw. in
der Trilogie, während die Offiziere und Generäle
eine höhere Ebene bilden, und an der Spitze
dieser Hierarchie stehen Wallenstein und der
Kaiser.
Diese – unterste – Ebene besteht aus namenlosen
Figuren, die dramatisch gesehen Typen sind.
Sie verkörpern nur eine Eigenschaft, und haben
dadurch ihre Rolle im Werk: die Grundstimmung
der Zeit und der Situation wiederzugeben.
Unter ihnen sind zwei Gruppen zu unterscheiden.
Die erste Gruppe besteht aus Bürgern und Bauern,
sie bilden die Bevölkerung des Landes, wo
das Heer stationiert. Sie sind die eigentlichen
Verlierer des Krieges, egal, ob ihre Armee
gewinnt oder verliert, sie werden sowieso
ausgeplündert und ihres Besitzes entkleidet.
Solche Figuren sind z. B. der Bauer mit seinem
Sohn, der nichts anderes tun kann, als mit
falschen Würfeln zu spielen, um etwas zu essen
zu besorgen; die Bürger, die die Soldaten
in dieser verwüsteten Welt als melkende Kühe
betrachten und der Soldatenjunge, der
ohne Vater aufwachsen muß.
Die andere Gruppe bilden die Soldaten, die
‚Bewohner des Soldatenreiches‘, die eine größere
Aufgabe in diesem Teil haben, als den Greuel
und die Leiden zu verkörpern. Ihre Handlungen,
Diskussionen und Gedankenaustäusche sind die
wichtigsten Faktoren für die Charakterforschung.
Nach der Funktion sei das Lager eine Ouvertüre,
eine Charakter- und Handlungsexposition ,
aber das Wort Charakterexposition sollte in
diesem Sinne präzisiert werden. Das Werk könnte
als eine Exposition aufgefasst werden, wenn
es beschrieben würde, wie der Herzog auftreten
wird, wie seine Eigenschaften und Pläne sind,
also die Exposition sollte eine konkrete Beschreibung
enthalten oder mitteilen, damit die Zuschauer
Vorkenntnisse bilden könnten. Aber hier ist
es nicht der Fall: Wallenstein wird aus einigen
Perspektiven charakterisiert, aber die hier
erkannten Eigenschaften sind nicht identisch
mit denen, die in den zwei anderen Teilen
der Trilogie vorkommen. Eine Charakterexposition
wäre hier auch nicht möglich, der Herzog kann
nämlich nicht einmal sich selbst beschreiben
/wie in I/4 Wallensteins Tod/, geschweige
denn die hier auftretenden Figuren, die ihn
nur nach den Sagen und Gerüchten kennen. Seine
Pläne und Eigenschaften bleiben bis zum Ende
des Werkes aufgrund des Zögerns und der Mehrdeutigkeit
seiner Figur ungeklärt. Die zahlreichen Analysen
und Interpretationen konnten keine eindeutige
Erklärung aus dem ganzen Werk geben, so ist
es nicht zu empfehlen, im Falle eines so widersprüchlichen
Charakters über Exposition zu sprechen.
3. Der ‚Halbgott‘. Die ‚legendenhafte‘ Seite
Wallensteins
Im lärmenden Leben des Lagers bildet sich
ein Gespräch im Kreis der Soldaten heraus,
an dem immer mehr Menschen teilnehmen. Das
Thema der Diskussion besteht in der Beschreibung
des alltäglichen Lebens des Krieges: die Berichte
der Soldaten über den Krieg, das Elend der
Bauern; und was aus dramenanalytischem Aspekt
aus hier das Wichtigste ist: hier entfalten
sich einige Züge des Charakters des Herzogs.
Bis zum achten Auftritt des Werkes erfährt
man eine Menge Informationen über den Feldherrn,
die fast nur positive Eigenschaften widerspiegeln
. Dieser ‚Positivität’ wird nur im achten
Auftritt durch die Rede des Kapuziners ein
Ende gesetzt.
Die ersten wichtigen Informationen stammen
in der zweiten Szene von dem Trompeter und
von dem Wachtmeister. Es kann kein Zufall
sein, daß sie doppelte Belohnung bekommen
haben, daß sie sich mit den anderen Regimentern
vereinigen sollen und die Familie Wallensteins
im Lager ankommt. Die Erscheinung des kaiserlichen
Boten Questenbergs (Und von Wien die alte
Perücke, […] mit der guldenen Gnadenkette
[…] /V.69-72/) ist auch kein gutes Omen.
All diese Fakten weisen darauf hin, daß der
Kontakt zwischen Wallenstein und dem Kaiser
nicht wolkenlos sei, die Kaiserlichen
Wachtmeister.
[…]
Fürchten des Friedländers heimlich Gesicht.
Er ist ihnen zu hoch gestiegen,
Möchten ihn gern herunter kriegen. /V.78-80/
Diese
Zeichen beziehen sich auf eine bevorstehende
Ablösung Friedlands, weil er für den kaiserlichen
Hof eine drohende Gefahr bedeutet. Wegen seiner
Macht hat der Herrscher des habsburgischen
Reiches Angst vor ihm, deshalb will er ihn
seines Amtes entheben. Sein „heimlich Gesicht“
bezieht sich darauf, daß niemand weiß, was
er mit seiner gefährlichen Macht tun wird,
und eben in Wallensteins ‚Unberechenbarkeit’
wurzelt die Angst des Kaisers, die die erste
Eigenschaft des Herzogs bildet.
Nach der Auffassung des Ersten Jägers unterscheidet
die Uniform nicht, wer zu dem Heer des Herzogs
gehört, sondern das Verhältnis zum Soldatenleben.
Die Persönlichkeit des Soldatenvaters bedeutet
einem jeden Kämpfer ein Vorbild, weil
Wachtmeister.
[…]
Der feine Griff und der rechte Ton,
Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.
/V.205-206/
Dieses
‚Vorbild’ ist auch ein Genie, das einen besonderen
Geist hat. /Aber sein Genie, ich meine sein
Geist, […] V.210/ Wenn sie ihn Genie und Vorbild
nennen, muß er in ihren Augen Kenntnisse und
Eigenschaften haben, wodurch er sich von den
Alltagsmenschen unterscheidet. Dieser Faden
wird in den weiteren Gesprächen weitergesponnen,
wo man über seine Taten redet.
Ein anderes Bild bekommt man von dem Ersten
Jäger, dessen Lebensgeschichte über die Gestalt
des Herzogs weitere Informationen liefert.
Der Jäger verließ die Schule und wurde mit
großen Hoffnungen zum Soldaten, aber in den
Jahren im Heer Gustav Adolfs und später auf
der kaiserlichen Seite hat er nur Enttäuschungen
erlebt. Er hoffte auf ein abenteuerliches
Leben, das er erst unter Tillys Kommando erlebte.
Erster
Jäger. […]
Alles da lustiger, loser ging,
Soff und Spiel und Mädels die Menge!
Wahrhaftig, der Spaß war nicht gering,
Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.
/V.271-274/
Aber
seine Erwartungen konnte nur das Heer Wallensteins
erfüllen. Friedland kommt schon wieder als
ein Vorbild vor und als das Triebwerk des
ganzen von ihm geschaffenen militärischen
Staates, wo alles nach den Kriegssitten funktioniert.
In dieser – mit bürgerlichen Augen betrachtet
– ‚barbarischen‘ Welt haben die Soldaten ihre
Heimat gefunden, wo das ganze Korps – mit
den anderen sich nicht beschäftigend – frei
und hemmungslos leben kann, wie es ihr Idol
so ‚vorbildhaft‘ tut.
Erster
Jäger. […]
Da tret ich auf mit beherztem Schritt,
Darf über den Bürger kühn wegschreiten,
Wie der Feldherr über der Fürsten Haupt. /V.312-314/
In
dieser Welt ist ihnen alles erlaubt, sie haben
keine Verpflichtungen, wie die Ausübung der
Religion, wie es der Erste Jäger bei Gustav
Adolf erlebt hat? ihre einzige Pflicht besteht
im Dienst der Fahne, die in diesem Fall in
Wallensteins Händen liegt. Diese Freiheit
und Ungebundenheit – die sie warscheinlich
in keinen anderen Heeren genießen könnten
– kann eine große Rolle bei der Entscheidung
am Ende des Dramas spielen.
Erster
Jäger. […]
Was nicht verboten ist, ist erlaubt?
Da fragt niemand, was einer glaubt.
Es gibt nur zwei Ding‘ überhaupt:
Was zur Armee gehört und nicht?
Und nur der Fahne bin ich verpflicht‘. /V.319-323/
In
der kommenden Äußerung werden zwei weitere
Seiten des Herzogs beleuchtet. Die eine wäre
der Gegenstand der Machtpolitik, ob er wirklich
ein Knecht ist, oder viel mehr. Es ist die
erste Stellungnahme, worüber sie sich nach
der Rede des Kapuziners Gedanken machen. Eine
gewisse Hierarchie ist zwischen dem Herzog
und dem Herrscher noch zu beobachten, also
die eigentliche Macht hat Wallenstein vom
Kaiser bekommen, um ihm zu dienen. Deshalb
wird die Machtfrage der Soldaten mit einer
‚Herr–Knecht–Beziehung‘ bzw. Abhängigkeit
beantwortet. Aber hier wird auch eine böse
Seite Friedlands bekannt gegeben: der Jäger
stellt ihn als eine Persönlichkeit dar, die
die Macht des anderen mißbraucht, um seine
eigenen Ziele – sogar vor den Greueltaten
nicht erschreckend – zu erreichen. Dieses
einzige Bild kann als eine Ausnahme in diesem
Teil aufgefasst werden, diese Aussage passt
nämlich in die Perspektive der ‚Vergötterung’
nicht hinein. Es ist umso wichtiger, daß dieses
Bild nicht mehr im Drama vorkommt.
Erster
Jäger. […]
Der führt‘s Kommando nicht wie ein Amt,
Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!
Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst –
Was bracht‘ er dem Kaiser für Gewinst?
Was hat er mit seiner großen Macht
Zu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?
Ein Reich von Soldaten wollt‘ er gründen,
Die Welt anstecken und entzünden,
Sich alles vermessen und unterwinden - /V.326-328/
„Diese
Ansicht spielt der Gegenseite Argumente zu,
daß in diesem Kriegsstaat weder Zucht noch
Maß, nur moralische Anarchie herrsche, und
daß hier die Macht ohne legale Bindung Selbstzweck
wurde.“
Im Weiteren wird die ‚legendenhafte und geheimnisvolle’
Seite Wallensteins vorgeführt. Diese Feststellungen
sind gar nicht realitätsbezogen, aber die
Erzählungen und Beschreibungen zeigen den
Respekt und die Verehrung, die die Soldaten
für den Friedländer hegen. All seine Unverletzbarkeit
und seine militärischen Erfolge werden auf
ein Bündnis mit falschen Mächten zurückgeführt,
mit deren Hilfe er seine Ziele verwirklichen
konnte.
Zweiter
Jäger. […]
Doch unter des Friedländers Kriegspanieren
Da bin ich gewiß zu viktorisieren.
Er bannet das Glück, es muß ihm stehen.
Wer unter seinem Zeichen tut fechten,
Der steht unter besondern Mächten.
Denn das weiß ja die ganze Welt,
Daß der Friedländer einen Teufel
Aus der Hölle im Solde hält. /V.347-354/
Die
legendären Eigeschaften werden mit einer Geschichte
über seine Unverletzbarkeit in der Schlacht
bei Lützen verstärkt. In dieser Erzählung
versteckt sich ein einziges Wort, das in Bezug
auf die Charakterisierung bzw. auf die Erklärung
der Charakterbeschreibung entscheidend sein
kann.
Wachtmeister.
Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel.
/V.354-355/
/hervorgehoben von mir: Z.K./
Das
Wort „fest“ kann in diesem Satz zwei Bedeutungen
haben. Die erste Option bezieht sich nur auf
die körperlichen Eigenschaften Friedlands,
daß man ihn in der Schlacht nicht erschießen
konnte . Aber das kann sich auch auf die
inneren Eigeschaften beziehen, also nach diesen
Worten haben wir es hier mit einer Persönlichkeit
zu tun, die immer weiß, was er will, er ist
entschlossen und verfügt über einen starken
Willen. Wenn diese zweite Möglichkeit akzeptabel
zu sein scheint, dann wird die Feststellung
im Kapitel Einführung verstärkt, daß im Lager
über keine Charakterexposition gesprochen
werden kann, nämlich seine Unentschlossenheit
und sein Zögern bis zum Dialog mit der Gräfin
Terezky andauert, /I.7. WallensteinsTod/ nach
dem er sich endlich zum Bündnis mit den Schweden
entschließt. Im Gespräch mit Questenberg /II.7.
Piccolomini/ widersetzt er sich der Anordnung
des Kaisers, und als er mit Wrangel akkordiert
/I.5. Wallensteins Tod/, akzeptiert er die
Forderungen der Schweden nicht. Tut eine ‚feste‘
Figur sowas?
Das letzte Charakteristikum, worauf die Soldaten
vor dem Auftritt des Kapuziners reflektieren,
ist die ‚Schlauheit’. Wallenstein konnte deswegen
zum großen und mächtigen Feldherrn avancieren,
weil er erkannte, daß der Krieg seinen Interessen
dient, also er strebt danach, ihn so lange
aufzuhalten, wie es nur möglich ist. Seine
Erhebung zum zweiten Menschen des Reiches
konnte nur in diesen Zeiten erfolgen, und
was er unter bestimmten Verhältnissen noch
erreichen kann, steht in der Ferne, und gerade
deshalb hat der Kaiser Angst vor ihm. Seine
Männer sind darüber vollkommen im Bilde, daß
er wegen der Vergrößerung seiner Macht die
Kriegszeiten aufzuhalten beabsichtigt, die
eigentlich auch den Interessen der Soldaten
dienen, aber das sehen sie erst nach der Rede
des Kapuziners ein. Schon als Student verfügte
Wallenstein über die Schlauheit, wie die kleine
Geschichte von dem Ersten Jäger demonstriert.
Nicht nur die Geschichte selbst, sondern deren
Schlussworte sind für die Analyse wichtig.
Erster
Jäger. […]
Unter des Herrn großen Taten allen
Hat mir das Stückchen besonders gefallen.
/V.470-471/ /hervorgehoben von mir: Z.K./
Die
Fügung „große Taten“ bezieht sich darauf,
daß sie noch andere Legenden über den Herzog
kennen, in denen er ihnen als groß vorkommt,
welche seine charismatische und respektvolle
Persönlichkeit weiter verstärken.
Zusammenfassend ist es zu behaupten, daß diese
Perspektive bzw. die erste ‚Begegnung‘ – abgesehen
von den unpassenden Äußerungen des Ersten
Jägers – mit dem Herzog positive Charakteristika
widerspiegelt, die seine ehrenvolle Person
preisen. Es ist hier noch zu erwähnen, daß
er in der Machtfrage noch (!) als der Diener
des Herrschers vorkommt, welche Überzeugung
nach der Rede des Kapuziners durchdacht wird.
Es ist sofort zu merken, daß diese Perspektive
eine ‚barbarisch‘ einfache Weltsicht seitens
der Mitglieder des Soldatenstaates demonstriert.
4.
Der ‚Teufel‘. Die rhetorische Analyse der
Rede des Kapuziners
4.1
Einführung und Zielsetzung
In diesem Kapitel kommt es zu einer rhetorischen
Analyse der Rede des Kapuziners. Diese Analyse
beabsichtigt zu bestimmen, durch welche rhetorischen
Mittel die Figur des Herzogs Wallenstein geschildert
wird. Die Verwendung der rhetorischen Topoi
bilden in diesem Fall ein figurencharakterisierendes
Mittel: hier wird die Figur des Friedländers
duch die Augen eines Mönches beleuchtet, also
ein gebildeter und inteligenter Mann
wird sich über ihn äußern.
Die Analyse kann sich nicht auf diejenigen
Teile der Rede beschränken, die Wallenstein
beschreiben, in diesem Fall ist also eine
vollständige Analyse zum Verständnis der Charakterisierung
unerläßlich.
Zwischen dem rhetorischen Sprechen und dem
dialogischen Sprechen des Dramas gibt es Paralellitäten:
„Beide wollen das situationsverändernde Einwirken
durch Worte […]“ erreichen, und diese
Erscheinung tritt im klassischen Drama recht
häufig auf.
Vor der Analyse wird festgehalten, daß die
verdeutschten rhetorischen Termini nach Heinrich
F. Plett verwendet werden. In der Analyse
wird zuerst das Logos bearbeitet, also die
Bestimmung der Redegattung, die Struktur /dispositio/
und die sprachliche Gestaltung der Rede /elocutio/
. In den zwei weiteren Unterkapiteln werden
die Ethos– und Pathos–Strategien thematisiert.
4.2 Die Logos-Strategie
4.2.1 Bestimmung der Redegattung (genera orationis
)
Nach den drei traditionellen Redegattungen
ist die Rede des Kapuziners nicht eindeutig
einzustufen, sie befindet sich zwischen Gerichtsrede
/die judiziale Gattung / und Lobrede–Tadelrede
/die epideiktische Gattung /. Die Rede
beinhaltet viele Mekmale der vorerwähnten
zwei Gattungen, aber diese Charakteristika
lassen keine passende Identifizierung bzw.
Zuordnung zu.
Der Redner will erreichen, daß die Soldaten
ein anderes Bild über Wallenstein bekommen
und dadurch werden sie ihre Meinung verändern.
Dieser Beweis geschieht durch Tatsachen aus
der Vergangenheit, wie bei der Gerichtsrede.
Aber es kann keine Gerichtsrede sein, weil
der Ort kein Gericht ist und die Soldaten
sind keine Richter.
In der Rede gibt es Äußerungen, die sich auf
die Gegenwart beziehen, wie z. B. die Beschreibung
der Umstände im Lager oder die Charakterisierung
des Herzogs. Tatsächlich entstammen diese
Bilder der Gegenwart, aber sie bilden nur
einen Teil der Rede, in den anderen Teilen
dominieren die vergangenen Elemente. Am Ende
der Äußerungen ist das Ziel des Kapuziners
gewesen, die Soldateska vor die Entscheidung
zu stellen, um sie dem Herzog abspenstig zu
machen, man kann also diese Rede nicht nur
in einer Gesellschaft genießen , sondern
hier wird man zum Nachdenken und zur Meinungsbildung
bewegt und gezwungen.
Zusammenfassend ist es zu behaupten, daß sich
in diesem Fall die Einstufung der Redegattung
wegen der Zeitebenen und der Absicht des Redners
nicht möglich ist.
4.2.2 Dispositio (die Stuktur der Rede)
In diesem Abschnitt wird der Aufbau untersucht,
um zu bestimmen, welchen Teil die Figurencharakterisierung
in der ganzen Rede bildet, und was für eine
Funktion sie hat.
Dieser Strukturtyp entspricht der klassischen
Rede , weil sie aus den folgenden Teilen
besteht: exordium, narratio, argumentatio,
aber wegen der Umstände und der Situation
kann peroratio nicht erfolgen. Aber hier
kann man Zusammenhänge mit der Predigt finden,
die die Rede auch beeinflussen. Eine solche
bestimmende Komponente ist die Religiosität.
Während der ganzen Argumantation – in der
die religiösen Elemente dominieren – hat man
das Gefühl, daß der Kapuziner den Soldaten
über die Sünden predigt. Man neigt zur Feststellung,
daß diese Rede zwischen der klassischen Rede
und der Predigt steht, deshalb wird im Folgenden
der Terminus Rede verwendet werden.
4.2.2.1 Exordium (Einleitung)
Der Redner formuliert die Einleitung mit Ausrufen
und Anreden an die Soldaten, womit es ihm
gelungen ist, die Aufmerksamkeit auf sich
zu rufen. Obwohl die Regieanweisung keine
Information gibt, wie er sich äußert, aber
es läßt sich vermuten, daß diese Worte laut
ausgesprochen wurden, weil die Situation /Tanz,
Musik, Lärm/ einen hohen Ton erforderlich
macht.
Kapuziner.
Heisa, juchheia! Dudeldumdei!
Das geht ja hoch her. Bin auch dabei! /V.484-485/
4.2.2.2
Narratio (Erzählung)
Die Erzählung hat die Aufgabe, „[…] den Hörer/Leser
kurz, klar und glaubhaft über den Sachverhalt
[zu] informieren“ und den Beweis vorzubereiten.
Die kommenden Sätze gehören schon zur Erzählung.
Sie verfügen über rhetorische Fragen, die
das Thema der Rede bekanntgeben und paralell
damit dienen sie zur Steigerung der Aufmerksamkeit.
Kapuziner.
[…]
Ist das eine Armee von Christen?
Sind wir Türken? sind wir Antibaptisten?
Treibt man so mit dem Sonntag Spott,
Als hätte der allmächtige Gott
Das Chiragra, könnte nicht dreinschlagen?
Ist‘s jetzt Zeit zu Saufgelagen?
Zu Banketten und Feiertagen?
Quid hic statis otiosi?
Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?
[…] /V.486-494/
Schon
aus diesen Zeilen ist es ersichtlich, daß
der Kapuziner seine Rede auf das Verhalten
der Krieger und auf das Religionsproblem aufbauen
wird. Die weiteren Teile haben die Erörterung
und die Aussatzung der vorerwähnten Komponenten
zum Gegenstand.
Die Fortführung besteht aus Aussagesätzen,
die die aktuellen politisch–militärischen
Umstände beschreiben: das Elend der Orlogszeiten,
die negativen Veränderungen infolge des Krieges,
die Faulheit der Soldaten, die nur tanzen
und trinken anstatt zu kämpfen. Es ist in
diesem Teil sehr wichtig, daß die Greueltaten
und die Armut des Volkes auf die Soldaten
zurückgeführt werden, weil sie die sog. ‚Zielgruppe‘
bilden, in der das Schamgefühl geweckt werden
sollte .
Kapuziner.
[…]
Die Kriegsfuri ist an der Donau los,
Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,
Regenspurg ist in des Feindes Krallen,
Und die Armee liegt hier in Böhmen,
Pflegt den Bauch, läßt sich‘s wenig grämen,
Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg
Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel
Hetzt sich lieber herum mit der Dirn‘,
Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.
Die Christenheit trauert in Sack und Asche,
Der Soldat füllt sich nur die Tasche.
Es ist eine Zeit der Tränen und Not,
Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
Und aus den Wolken, blutigrot,
Hängt der Herrgott den Kriegsmantel runter.
Den Kometen steckt er wie eine Rute
Drohend am Himmelsfenster aus,
Die ganze Welt ist ein Klagehaus,
Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,
Und das römische Reich – daß Gott erbarm!
Sollte jetzt heißen römisch Arm,
Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom,
Die Klöster sind ausgenommene Nester,
Die Bistümer sind verwandelt in Wüsttümer,
Die Abteien und die Stifter
Sind nun Raubteien und Diebesklüfter,
Und alle die gesegneten deutschen Länder
Sind verkehrt worden in Elender - […]. /V.495-522/
4.2.2.2.1
Kürze, Klarheit, Glaubwürdigkeit
Diese drei Bedingungen müssen unbedingt für
eine Rede stimmen, damit sie erfolgreich ablaufen
kann. Schon im Altertum hat Aristoteles diese
drei Komponenten voneinander unterschieden,
und ein guter Redner legt viel Wert auf diese
Forderungen.
Was die Kürze anbelangt, ist diese Erzählung
entsprechend, nämlich hier werden nur diejenigen
Erscheinungen beschrieben, die mit dem Beweis
zu tun haben, diese Erklärungen üben keine
direkte Wirkung auf die Meinungsbildung bzw.
Beurteilung aus.
Heinrich F. Plett setzt im Bereich der
Klarheit voraus, daß diese Vorbereitung des
Beweises eindeutig und verständlich sein müsse.
In diesem Fall stimmt diese Forderung, dem
Leser ist es sofort klar, daß der Kapuziner
eine Kritik an dem Soldatenstaat ausüben
will, und diese Kritisierung zieht einen Tadel
nach sich. Aber es war nicht nur die Intention
des Mönches, die Soldaten zu schmähen, er
will auch seine Ziele durch diese Kritik erreichen.
Die Glaubwürdigkeit muß nicht objektiv sein,
sie ist eher subjektiv, und sie hängt immer
von den Interessen bzw. von den Zielen des
Redners ab . Es soll nicht das Vorhaben
des Redners gewesen sein, eine konkrete und
exakte Beschreibung zu geben, aber er hätte
auch nicht übertreiben dürfen, nämlich wenn
die Bilder trügen, wird er von dem Publikum
nicht akzeptiert . Hier will der Kirchenmann
mit diesen Bildern das Publikum erschrecken,
also diese Komponenten dienen affektischen
Zielen, aber dieses Vorhaben wird im Kapitel
Pathos erörtert.
4.2.2.3 Argumentatio (Beweis)
Der Beweis hat die bedeutendste Rolle in der
Figurencharakterisierung. Durch diese Analyse
ist zum Vorschein gekommen, daß die Beschreibung
Wallensteins kein primäres Ziel des Redners
war, sondern nur ein Mittel des Beweises.
Während der ganzen Agitation hat der Kapuziner
die Soldaten beschimpft. Dadurch wollte er
erreichen, daß sie die Lage erkennen und sie
werden auf die Seite des Kaisers übertreten.
Nach den in der Erzählung gegebenen Beschreibungen
kommt ihre Erklärung. Es wird klar, daß die
Beschimpfung kein Ziel, sondern ein Mittel
gewesen ist, weil in diesem Beweis der Redner
versucht, die Krieger von den Sünden freizusprechen.
Dazu benennt er, was die Soldaten verändern
sollten. Sie sollten den Namen Gottes nicht
in den Mund nehmen und sie dürften das Volk
nicht ausplündern bzw. nicht stehlen. Um den
richtigen Weg zu zeigen, gibt er den Flacks
Beispiele und Vorbilder aus der Bibel, wie
z. B. König David oder Josua.
Die letzten Sätze beziehen sich eindeutig
darauf, daß die Soldaten nur indirekt schuldig
sind, sie verkörpern die Glieder in diesem
militärischen System und der Hauptkriegsverbrecher
ist der „Soldatenvater“ /V.1034/, Wallenstein.
An diesem Punkt verwendet der Redner die sog.
Staatskörpermetapher , die den Ausgangspunkt
zur Charakterisierung und gleichzeitig zum
Streit bildet.
Erster
Jäger.
Herr Pfaff! Uns Soldaten mag Er schimpfen,
Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.
/V.595-597/
Nach
dieser Aussage (Aufforderung) beginnt die
Beschreibung des Herzogs mit Metaphern und
mit negativen Attributen. Da der Beweis gestört
wird, kann der Mönch seine Rede nicht beenden,
und deshalb kann sie mit der Peroration nicht
abgeschlossen werden. Aber der Kapuziner hätte
in dieser Situation die Möglichkeit gehabt,
seine Ziele zu erreichen, wenn er ein guter
Redner gewesen wäre. Die Staatskörpermetapher
löste eine solche Reaktion aus, die der Kirchenmann
nicht mehr kontrollieren konnte, und er wählt
das Schlimmste, was er in dieser Situation
wählen konnte: er geriet in Konflikt mit den
betrunkenen Kriegern, und das bedeutet das
Ende seiner Rede, also sie bleibt unabgeschlossen.
Mit der Beschreibung bzw. mit dem Tadel des
Feldherrn soll der Redner andere Ziele gehabt
haben. Er soll versucht haben, Wallenstein
als Betrüger darzustellen, der nur nach der
Verwirklichung seiner eigenen Ziele strebt,
und dazu betrügt er sowohl seinen Kaiser als
auch seine Männer. Aber mit der Neckerei der
Soldaten hat er nicht gerechnet, daß sie sich
so fest für Wallenstein entschlossen haben,
deshalb ist es ihm nicht gelungen, sie zu
überzeugen. Es mag seine Intention gewesen
sein, mit dieser Charakterisierung die entgegengesetzte
Wirkung zu erreichen, also daß die Krieger
ihre Meinung über ihren ‚Führer‘ verändern
und die kaiserliche Partei freiwillig wählen.
4.3
Ornatus (Schmuck)
Dieser Teil der Analyse ist von besonderer
Bedeutung, weil durch die gewählten Wörter
und Wortverbindungen der Charakter des Herzogs
am eindeutigsten beleuchtet wird.
Das Kapitel besteht aus zwei weiteren Teilen.
Die Grenzlinie bildet die sog. Staatskörpermetapher,
nach der die Rede von den betrunkenen Soldaten
unterbrochen wird.
Wie es schon erwähnt worden ist, beginnt die
eigentliche Beschreibung der Figur im zweiten
Teil der Rede. Da in dieser Arbeit die rhetorische
Analyse in Dienst der Figurencharakterisierung
gestellt worden ist, wird der zweite Teil
der Rede ausführlicher bearbeitet und analysiert.
Die zwei Einheiten der Rede stehen aber in
einer kausalen Beziehung zueinander ,
deshalb muß die erste Passage auch kurz analysiert
werden.
Der Mönch beginnt die Rede mit Ausrufen, um
seinen Auftritt klar zu machen. Mit dieser
‚Einleitung‘ wird die Tätigkeit der Soldaten
gestört, weil dies das Vorhaben des Redners
war. Durch die folgenden rhetorischen Fragen
zieht der Kapuziner die Aufmerksamkeit auf
sich, und er fasst in diesen Fragen zusammen,
worüber er sprechen will. Diese Einleitung
erfolgt in den ersten elf Zeilen. Nach der
Einführung werden die Soldaten wegen des Tanzes
und des Trinkens beschimpft. Die Beschimpfungen
werden mit einem Wortspiel, mit der Paranomasie
ausgedrückt.
Kapuziner.
[…]
Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,
Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,
Hetzt sich lieber herum mit der Dirn‘,
Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.
[…] /V.500-503/
Die
Paranomasie bringt Ironie und Spott, und das
unerläßliche Mittel der Ironie, die Übertreibung
zum Ausdruck. Die Verarmung und der Eintritt
des Greuels werden auch durch die Paranomasie
beschrieben, aber jetzt hat sie keinen ironischen,
sonder einen erschreckenden Ton. Diese Erschreckung
will die Metapher „Die ganze Welt ist ein
Klagehaus“ /V.512/ und „Die Arche der Kirche
schwimmt in Blute“ /V.513/ vertiefen, die
zwar in dieser Gestaltung übertreibend wirken,
aber in einem solchen Fall können sie auch
affektische Wirkungen ausüben. Daß die Soldaten
keine Gotteslästerung begehen dürften, wird
in Form eines langen und komplizierten Vergleichs
ausgedrückt voll von biblischen Namen. Mit
dem Kriegsverbrechen, der Ausplünderung usw.
werden die Körperteile der Raubvögel assoziiert:
„Vor euren Klauen und Geiersgriffen“ /V.584/.
Was in der ganzen Rede die Sprachrichtigkeit
anbelangt, haben die lateinischen Wendungen
und die biblischen Namen eine Rolle. Alle
lateinischen Sätze sind Fragen, von denen
nur einige übersetzt werden. Man stellt sich
die Frage: Warum benutzt der Redner so komplizierte
Äußerungen, zu deren Verständnis eine hohe
Geistesbildung erforderlich wäre? Und warum
benutzt er immer wieder die biblischen bzw.
historischen Namen? Obwohl die rhetorischen
Mittel in dieser Situation unangemessen sind,
machen sie die ganze Rede gehoben und stilistisch
farbenreich, sie kann also einem hohen Stil
zugeordnet werden . Diese Ausdrucksmittel
haben zwei Funktionen: eine dynamisierende
und eine mit dem Ethos zusammenhängende Funktion
Durch die Einsetzung der gehobenen Sprache
bekommt die Rede eine gewisse Dynamik, die
mit alltäglichen Wörtern kaum erreicht werden
könnte.
An dieser Stelle wird die eigentliche Figurencharakterisierung
analysiert, die mit der Einfügung der Staatskörpermetapher
ihren Lauf nimmt.
Kapuziner.
[…]
Aber wie soll man die Knechte loben,
Kömmt doch das Ärgernis von oben!
Wie die Glieder, so auch das Haupt!
Weiß doch niemand, an wen der glaubt! […]
/V.591-594/
In
den zitierten vier Zeilen wird der Hauptgedanke
der Rede formuliert. Die Metapher „Knecht“,
deren Bedeutung einen Befehlshaber, einen
Herrn dem sie folgen müssen bzw. folgen wollen,
voraussetzt, bezieht sich auf die Soldaten.
Im Vers 492 wird ein Versuch unternommen,
die Krieger von den Sünden freizusprechen,
für die nur das „Haupt“ verantwortlich ist,
aber dieser Versuch scheitert. Der Vers 493
könnte als eine Synekdoche analysiert werden,
wenn sie sich nicht auf den ganzen Soldatenstaat
beziehen würde, wo die Soldaten die „Glieder“,
der Herzog das „Haupt“ wären. Eben deshalb
läßt sich diese Beziehung als eine Staatskörpermetapher
bezeichnen, weil das Haupt, anders gesagt
das Gehirn die einzelnen Glieder und damit
den ganzen Körper – der in diesem Falle die
Armee und der Staat wären – führt, lenkt bzw.
steuert. Mit der Metapher wird auch ein kausales
Verhältnis repräsentiert, beide Organe benötigen
das andere, um leben und funktionieren zu
können .
Im Vers 494 wird auf eine Gemeinsamkeit zwischen
den Soldaten und Wallenstein aufmerksam gemacht:
beide wissen es nicht, woran sie glauben.
Das ist aber nicht nur eine Gemeinsamkeit
oder Parallelität, sondern die erste wichtige
Information über den Friedländer. Der Glaube
des Herzogs wird hier befragt und bezweifelt,
der als die erste Erscheinung der Problematik
des Sternenglaubens aufgefasst werden kann.
Dieser Unglaube ist eine ‚Fehlhandlung‘ im
Auge des Redners, weil wir in der Periode
der Religionskriege sind, wo die Macht des
Kaisers von Gott kommt. Und wenn jemand an
Gott nicht glaubt, dann akzeptiert er die
Herrschaft des Kaisers auch nicht, dieser
Unglaube bedeutet also einen Verrat. Die Kausalität,
die hier formuliert wurde, bewegt die Soldaten
zum Nachdenken, das am Ende des Teiles zu
ihrem Entschluß führt.
Zusammenfassend ist es zu behaupten, daß diese
Metapher eine zentrale Funktion in der Rede
hat, weil sie ausdrückt, daß die Soldaten
mit Friedland aufeinander angewiesen sind.
Zur Funktion gehören noch zwei weitere Komponenten:
Die eine ist, daß dieses einzige Mittel im
Stande ist, die Aufmerksamkeit der Krieger
zu erwecken. Die andere hat die Wirkung, daß
die Rede unterbrochen wird, das Publikum also
aus der Passivität heraustritt und die falsche
Reaktion des Sprechers zu seinem Versagen
führt.
Die Zwischenrufe des Zweiten Jägers und seine
Warnung machen es klar, daß die Rede eine
andere Wirkung auslöste, als sie beabsichtigte.
Auf seine Aufforderung, den Herzog nicht zu
beschimpfen, reagiert der Redner unangemessen:
er beginnt Wallenstein noch heftiger ‚anzufechten’.
Dann fängt ein ziemlich komischer Dialog zwischen
den beiden Parteien an. Die Aufforderungen
der Soldaten nimmt der Redner nicht ernst,
und führt seine Beschimpfungen weiter, die
zu seinem Verjagen führen. Aber eben dieser
außergewöhnliche Dialog wird von dem Interpreten
als eine Charakterisierung betrachtet. Die
Charakterbeschreibung erfolgt vorwiegend durch
biblische Anspielungen. Der Herzog erscheint
als Bramarbas, Eisenfresser, Teufelsbeschwörer
und König Saul, Jehu und Holofern, ein hochmütiger
Nebukadnezer und ein listiger Fuchs Herodes.
Hier könnte die Frage gestellt werden: Warum
identifiziert der Redner Wallenstein mit Persönlichkeiten,
von denen die Flacks – warscheinlich – nie
im Leben gehört haben? Die eine mögliche Antwort
wäre, daß er ein ungebildeter Redner sei,
aber darauf wird im Kapitel Ethos reflektiert.
Die andere Möglichkeit hat emotionale Gründe.
Die untere Schicht von Wallensteins Armee
mag die Namen nicht kennen, aber die Redeweise,
wie diese Namen ausgesagt werden, wirken als
Beleidigungen, d. h. wegen der Situation und
dem Redestil des Kapuziners empfinden die
Soldaten die Wörter als Beschimpfungen.
Dem gebildeten Leser reichen diese Informationen
aus. Die Soldaten dürfen den Heeresführer
nicht mehr als eine positive Figur ansehen,
wenn er mit Verrätern und Mördern gleichgesetzt
wird. Der Leser fühlt sich in einer ziemlich
verwirrten Lage, weil er die Schattenseiten
des Herzogs kennengelernt hat. Jetzt haben
wir also zwei Beschreibungen, keine von den
beiden entspricht aber seiner echten Persönlicheit.
Er ist noch gar nicht auf der Bühne gewesen,
so können wir diese Feststellungen nicht überprüfen.
Der Redner sagt in seiner Wortfügung „Verleugnet
wie Petrus seinen Meister und Herrn“ /V.611/
exakt aus, daß der Herzog ein Verräter ist,
und das ist seine Stellungnahme zu der Verräter-Problematik
. Obwohl Petrus in der Bibel als ein Verräter
vorkommt, kann sein Verrat mit dem von Wallenstein
nicht verglichen werden. Es geschieht mit
den besten Rednern, daß sie etwas Unpassendes
sagen, wie in diesem Fall der Kapuziner. Die
Gestalt von Petrus ist in der Bibel überhaupt
nicht negativ, wie z. B. die von Nebukadnezer,
dieser Name unterscheidet sich also von den
bisher genannten. Wenn der Pfarrer den Herzog
einen ‚Judas‘ genannt hätte, hätte er seine
Intention besser ausdrücken können. Mit der
Aussage „Teufelsbeschwörer“ wird verstärkt,
daß er sich mit falschen Mächten verbündete.
Die Soldaten haben diesen Pakt – z. B. die
Degenfestigkeit – positiv aufgenommen.
Obwohl die Rede mißlingt, kann der Kapuziner
am Ende der Rede einen ‚Clou’ setzen, den
er in Form einer Paranomasie ausdrückt:
Kapuziner.
[…]
Läßt sich nennen den Wallenstein,
Ja freilich ist er uns allen ein Stein
Des Anstoßes und Ärgernisses,
Und solang der Kaiser diesen Friedland
Läßt walten, so wird nicht Fried‘ im Land.
/V.620-624/
In
dem letzten Vers spricht der Mönch das Verhältnis
zwischen dem Krieg und Wallenstein aus, und
gerade dieser einzige Gedanke wird von den
Kriegern akzeptiert und später besprochen.
Dieser Vers ist ebenso wichtig, wie die Staatskörpermetapher,
weil er das Publikum zum Nachdenken bewegt.
Nur die Staatskörpermetapher und dieser Vers
sind Imstande, eine rhetorische Wirkung auszuüben.
Die sprachliche Analyse hat gezeigt, daß der
Mönch sich in die Verräter-Problematik einmischt,
und auch Stellung nimmt. Die Untersuchung
hat das Ergebnis, daß der Herzog als ein Verräter
dargestellt wird, und die Darstellung von
den kritisch–beleidigenden Bildern weiter
verstärkt wird.
4.4
Die Ethos-Strategie
In diesem Fall kann keine detallierte und
ausführliche Ethos–Forschung durchgeführt
werden, weil die Figur erstens nur für eine
kurze Zeit auf der Bühne agiert, zweitens
weil sie eine fiktive Person ist. Der Leser
bekommt keine Informationen über den Kapuziner,
der so schnell erscheint, wie er verschwindet.
Es gibt weder in den Regieanweisungen noch
in den Äußerungen der anderen Figuren einen
Hinweis darauf, wie er aussieht, wie alt und
gebildet er ist, und diese Mängel erschweren
die Analyse.
Der Redner ist nur durch seine Worte zu charakterisieren,
die nonverbalen Zeichen, Gestik, Mimik, Körperhaltung
werden in der Regieanweisung nicht angegeben,
nur eine einzige Information wird vermittelt,
daß er die letzten Worte mit gehobener Stimme
gesagt habe . Es läßt sich aber vermuten,
daß der Redner eine solche Rede, die vorwiegend
aus Beschimpfungen besteht, nur laut äußern
kann. Die Anrede konnte ausschließlich „mit
erhobener Stimme“ erfolgen, weil die Männer
getanzt und gesungen haben, und in dieser
Situation kann die Aufmerksamkeit nur so erweckt
werden.
Wie es in den vorigen Kapiteln erwähnt worden
ist, benutzt der Mönch viele biblische Gestalten
und lateinische Wendungen – meistens Fragen
–, woraus sich zwei wichtige Schlüsse ziehen
lassen. Der eine bezieht sich auf die Bildung
des Mönches, der andere auf seine rhetorische
Ungebildetheit. Wie alle Mönche im 17. Jahrhundert,
ist er vermutlich im Bereich der Kunst und
der Geisteswissenschaften bewandert, wie die
Analyse der sprachlichen Formulierung bewiesen
hat.
Er ist aber deshalb rhetorisch ungebildet,
weil er die Situation falsch interpretierte,
nämlich die singenden und betrunkenen Soldaten
keinen intelligenten Pfarrer in ihren Kreisen
erdulden, der den Herzog beschimpft und über
den Glauben predigt. Der Kapuziner strebt
bewußt danach, sich von den Soldaten durch
seine Intelligenz zu unterscheiden, das sich
auch in der Rede widerspiegelt. Es gehört
zu seiner rhetorischen Ungebildetheit, daß
er zur Verwirklichung der Intentionen – durch
die Rede die Soldaten auf die kaiserliche
Partei zu stellen – die entgegengesetzten
Mittel gewählt hat – Störung, Predigen, hochen
Stil, Beschimpfung –, und er war nicht fähig,
die ausgelöste Situation zu ändern bzw. die
Kontrolle wiederzugewinnen.
In der Ethos-Strategie muß noch die politische
Einstellung des Kapuziners bestimmt werden,
die seine Äußerungen stark beeinflusst. Auch
ohne den Text zu gelesen zu haben, kann man
sich darüber Gedanken machen, wie ein Mönch
im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges gedacht
hatte. Die Kirche übte in diesen Zeiten eine
Kontrolle aus, die anhand des Glaubens eine
bedeutende Macht gehabt hat. Alle Ideen, die
gegen die kirchliche Moral gerichtet waren,
wurden als Ketzereien bezeichnet und vernichtet.
Der Kapuziner vertritt die Ideen dieser Institution,
die sie auf seine eigene Art und Weise verteidigen
und predigen will. Seines Erachtens ist Wallenstein
ein Verräter, weil er gegen die Kirche agiert,
obwohl es die Pflicht des Herzogs wäre, sie
zu verteidigen. Wegen dieses Einflusses der
Kirche ist der Kapuziner nur eine naive Marionettenfigur,
die in seiner politischen Blindheit befangen,
darüber redet, worüber er nichts weiß. Eben
deshalb wirkt er, der nur als Abraham a Santa
Clara in die Luft redet, eher komisch
als erschreckend.
In der ungarischen Fachliteratur existiert
eine Deutung des Ethos des Redners, die nicht
eindeutig mit Textbeispielen ünterstützt werden
kann. Nach György Mihály Vajda sei der Kapuziner
ein Spion der Kaiserlichen, der die Aufgabe
hat, die Meinungen im Bereich der Soldaten
zu sondieren . Im Besitz der Ergebnisse
der Analyse scheint diese Theorie übertrieben
zu sein. Ein echter und schlauer Spion hätte
seine Mission nich so erledigt. Aufgrund der
analysierten politischen Ansichten und Vorurteilen
des Pfarrers kann diese Theorie nicht akzeptiert
werden.
4.5
Die Pathos-Strategie
Mit diesen Mitteln haben man bisher auch zu
tun gehabt, aber sie haben die entgegengesetzte
Wirkung ausgelöst, die sie beabsichtigten.
Der Redner versucht, die Soldaten von ihren
eigenen Greueltaten zu erschrecken, um in
ihnen das Schuld– und Schamgefühl zu erwecken.
Das angestrebte Ziel will er so erreichen,
daß er ein erschütterndes Bild über den Krieg
gibt, wofür sich die Flacks schuldig fühlen
müssten. Der Pfarrer apelliert also an diese
zwei Gefühle, an die Scham und an die Schuld.
Mit diesen übertriebenen Beschreibungen will
er das Regiment dazu bewegen, die Taten wieder
gut machen zu wollen, und deshalb wird die
Soldateska zur kaiserlichen Partei übertreten.
Das Vorhaben war der Situation angemessen,
aber der Redner hat eine wichtige Komponente
im Bereich des Ethos /wie im Pathos/ außer
Acht gelassen, die zu seinem Mißerfolg führte:
die ‚Situativität‘. Er hätte diesen Fehler
nicht begangen, wenn er die Anweisungen von
Aristoteles beachtet hätte. Die einzelnen
Gefühle, die er anspricht, sind sehr stark
situationsgebunden. Aristoteles beschreibt
im zweiten Buch seiner Rhetorik–Lehre, daß
man sich nur vor gewissen Personen schämt,
die man z. B. ehrt, respektiert, erkennt,
usw . Aber in der Gruppe, in der der Mönch
seine Rede hält, gibt es keine ‚respektvollen‘
Personen, vor denen sich die Soldaten schämen
sollten. Die Wirkung des Alkohols mag auch
einen bedeutenden Anteil daran haben, daß
die Rede das angestrebte Ziel nicht zu erreichen
vermochte.
Das Ethos – und damit die ganze Agitation
– des Kapuziners läßt sich als ein ‚Musterbeispiel‘
bezeichnen, wie man eine Rede nicht halten
dürfte im Gegensatzt zu Marcus Antonius in
Shakespeares‘ Julius Cäesar, der seine rhetorische
Brilianz in der berühmten Leichenrede gezeigt
hat .
5. Die Soladten über ihren ‚Vater‘
In den vorigen zwei Kapiteln wurden die Charakteristika
des Herzogs anhand zweier subjektiever Perspektiven
summiert und analysiert. Es kann mit Sicherheit
festgestellt werden, daß die bisherigen Beschreibungen
übertreibend wirkten. Das Gespräch der Soldaten
preist den Herzog in den Himmel, die Rede
des Kapuziners tadelt ihn bis zur Hölle. Die
beiden Beschreibungen konzentrieren sich auf
die Vergangenheit, sie bewerten die Taten
Friedlands, in denen viel mehr die historischen
als die politischen Ereignisse dominieren.
Im Gegensatz zu den bisher vorgeführten Meinungen
und Gesinnungen hat die in diesem Kapitel
behandelte Perspektive die Gegenwart zum Gegenstand,
sie beschreibt die politischen Geschehnisse,
wie sie diese untere Schicht in der Hierarchie
sieht. Dieser Teil ist mehr realitätsbezogen
als die vorigen zwei, obwohl diese Meinungen
und Äußerungen nur nur Spekulationen sind.
Jetzt wird der Versuch unternommen, die Gefühle,
die die Soldaten für den Friedländer hegen
zu beschreiben und deren Gründe zu erforschen.
Die erste Emotion ist der Stolz. Der die Uniform
Friedlands trägt, soll mit den Bauern auf
kein Würfelspiel eingehen, und wenn ein Bauer
einen Soldat der Uniform entkleidet, wird
diese Tat als eine Beleidigung beurteilt.
Dem außergewöhnlichen Heer des Herzogs anzugehören
bedeutet nicht nur Stolz, sondern Ehre und
auch Verpflichtungen.
Erster
Kürassier.
Wie? du bist ein Friedländischer Mann,
Kannst dich so wegwerfen und blamieren,
Mit einem Bauer dein Glück probieren? /V.667-669/
Es
geht schon ein Gerücht im Lager über eine
bevorstehende Umgruppierung um: zirka achttausend
Männer Friedlands – die besten Soldaten –
werden unter das Kommando des Infanten – den
die Soldaten vom Herzen hassen – gestellt.
Die Tatsache, daß sie den Mailanden Heeresführer
hassen, bedeutet nicht unbedingt, daß sie
den Herzog lieben, aber Wallenstein als Soldat
bedeutet ihnen mehr, als ein ‚geiziger Mönch’.
Zweiter
Kürassier.
Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.
Erster Kürassier. Und absonderlich wir Wallonen.
Marketenderin.
Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!
/V.699-702/
Es
gefällt den Kriegern nicht, den Herzog zu
verlassen, den Mann, dem sie vieles zu verdanken
haben: ihm zuliebe haben sie den Reiterdienst
gewählt, und nicht wegen des Kaisers.
Zweiter
Jäger.
Auf des Friedländers Wort und Kredit allein
Haben wir Reiterdienst genommen?
Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,
Der Ferdinand hätt‘ uns nimmer bekommen. /V.709-713/
Der
Wachtmeister sieht aber ein bißchen hinter
die Kulissen, aber die ganze Wahrheit ist
ihm unbekannt. Er meint schon, daß diese Umgruppierung
keine strategisch–militärischen Zwecken dient,
aber davon kann er nur seine eigenen Schwierigkeiten
ableiten. Er sieht die Sachen nur insoweit,
daß eine Umgruppierung von achttausend Soldaten
die Verstümmelung der Macht des Herzogs bedeutet
und für ihn und die restlichen Kräfte ist
es deshalb gefährlich, weil sie die Ausplünderungen
nicht weitermachen können. Als Wallenstein
vor acht Jahren das Heer Zustande gebracht
hatte, war er darüber vollkommen im Bilde,
daß sich die Armee selbst ernähren muß, die
nur auf eine Art erfolgen konnte. Mit der
Schwächung des Heeres wird diese Möglichkeit
zur Ernährung gefährlich und unsicher. Warum
sieht der Wachtmeister nur diese Seite? Weil
er vom beabsichtigten Verrat des Herzogs nichts
weiß. Die Frage wird von ihm nicht gestellt,
warum die Regimenter umgruppiert werden, nur
die möglichen Folgen werden von ihm bewertet.
Er betrachtet die Armee nicht als ein ‚Durcheinander‘
von Menschen, sondern als ein aus vielen Nationen
gut organisiertes System, dessen Einheit der
Herzog schuf und die von dem Kaiser nicht
aufgelöst werden darf.
Wachtmeister.
Wer hat uns so zusammengeschmiedet,
Daß ihr uns nimmer unterschiedet?
Kein andrer sonst als der Wallenstein! /V.805-807/
Die
Soldaten wollen diese ‚Einheit‘ nicht verlassen,
die ihnen Obhut und Heimat bedeutet, egal,
was der Kaiser will. Es könnte so erklärt
werden, daß sie eine gewisse Notwendigkeit
fühlen, dem Herzog zu dienen, um ihren Wohlstand
weiter zu bewahren, der unter dem Infanten
kaum möglich wäre. Es kann aber vorkommen,
daß dieser Wohlstand kein Zufall ist, sondern
eine getarnte Anordnung des Herzogs, die Männer
zu gewinnen. Wenn diese These richtig wäre,
dann hat Wallenstein gut spekuliert, die Masse
steht als ein Mensch hinter ihm.
Erster
Kürassier.
Verbunden können sie uns nichts schaden,
Wir stehen alle für einen Mann.
Laßt sie schicken und ordenanzen,
Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,
Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht. /V.832-837/
Aus
diesem Entschluß bildet sich die Machtpolitik,
die Zentralfrage des ganzen Werkes heraus,
wer das Befehlskommando hat. In der folgenden
Diskussion vertreten die Soldaten zwei Auffassungen,
die das Thema und den Ausgangspunkt der Diskussion
bilden. Der Erste Arkebusier beharrt auf seiner
Meinung, daß Wallenstein nur ein Knecht des
Kaisers sei im Gegensatz zu dem Trompeter,
Ersten Jäger und dem Wachtmeister, nach denen
die eigentliche Macht der Herzog ausübt.
Erster
Jäger. Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,
Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.
/V.846-847/
Erster Arkebusier.
Der Herzog ist gewaltig und hochverständig?
Aber er bleibt doch, schlecht und recht,
Wie wir alle, des Kaisers Knecht. /V.855-858/
Der
Wachtmeister nimmt die Ansicht des Arkebusiers
nicht an, Friedland dient niemandem, er ist
ein eigenständiger Herr wie der Herzog von
Bayern; er hat das Recht auf Geldschlagen.
Die Soldaten haben nur Wallenstein–Taller
bei sich, die die Marketenderin als gutes
Geld bezeichnet. Das bedeutet, daß der Herzog
den Sold zahlt, obwohl die Krieger den ‚gut
verdienten Lohn’ vom Kaiser bekommen sollten.
Trompeter.
Wer uns nicht zahlt, das ist der Kaiser! /V.883/
Und
wenn sie den Befehl des Kaisers erfüllen,
ist es sicher, daß sie nie im Leben ausgezahlt
werden. Man zur vereinfachten Feststellung:
Wer Wallenstein wählt, wählt das Geld. Aber
nicht nur der Sold ist der einzige Grund dafür,
warum sie beim Herzog bleiben wollen. Sie
machen sich Gedanken über ihre eigene Zukunft,
die sie kaum idyllisch vorstellen.
Erster
Kürassier.
Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,
Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.
/V.918-920/
Diese
Zeilen deuten darauf hin, wenn der Krieg einmal
ein Ende hat, werden sie keine Möglichkeit
haben, ein normales Leben zu beginnen und
zu führen. Die Umgruppierung würde die ‚Vernichtung‘
ihrer Hoffnungen bedeuten, deshalb widersetzen
sie sich dem Befehl des Kaisers, weil sie
das Land nicht verlassen und voneinander nicht
getrennt werden wollen.
Erster
Kürassier.
Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
Wir haben‘s Heft noch in der Hand;
Lassen wir uns auseinandersprengen,
Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.
Erster Jäger.
Nein, das darf nimmermehr geschehn!
Kommt, laßt uns alle für einen stehn. /V.996-1001/
Warum
haben die Soldaten Mut dazu, sich zu widersetzen?
Weil sie darüber überzeugt sind, daß die Armee
den Kaiser und die einzelnen Herrscher groß
gemacht hat.
Erster
Kürassier.
Ist denn darüber Zank und Zwist,
Ob der Kaiser unser Gebieter ist?
Eben drum, weil wir gern in Ehren
Seine tüchtigen Reiter wären,
Wollen wir nicht seine Herde sein,
Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen
Herum lassen führen und verpflanzen.
Sagt selber! Kommt‘s nicht dem Herrn zugut,
Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
Wer anders macht ihn als seine Soldaten
Zu dem großmächtigen Potentaten?
Verschafft und bewahrt ihm weit und breit
Das große Wort in der Christenheit? /V.888-900/
In
den damaligen Zeiten wäre dieser Gedanke ‚ketzerisch’
gewesen, weil er eine neue Auffassung propagiert.
In dieser Konzeption kommt nicht mehr die
Determiniertheit des Menschen vor, sondern
sie beinhaltet die Entdeckung, daß die Armee
– mit ihren Mitgliedern – den Kern der Macht
bilden. Diese Tatsache, daß sie ihre ‚Kraft‘
entdeckt haben, ermöglicht ihnen die Alternative
der freien Wahl. Warum sollten sie einem solchen
Herrn dienen, von dem sie nichts bekommen,
wenn der andere nicht nur den Wohlstand sichert,
sondern auch Geld gibt, ihn zu genießen?
Die Soldaten wollen ihre Entschlüsse schriftlich
– in Form eines ‚Pro memoria‘ – festhalten.
Ob das geschieht oder nicht, wird weder in
diesem noch in den anderen Teilen der Trilogie
genannt, aber diese Tatsache hat keine Wirkung
auf die dramatische Handlung. Es ist aber
umso wichtiger, daß sie sich für den jüngeren
Piccolomini, Max entscheiden, der sie voll
von Enttäuschung und Liebeskummer im Namen
des Kaisers (!) im dritten Teil der Trilogie
– all ihre Pläne, Hoffnungen und Bestrebungen
vernichtend – in den Tod führt.
Erster
Kürassier.
Also laßt jedes Regiment
Ein Pro memoria reinlich schreiben:
Daß wir zusammen wollen bleiben,
Daß uns keine Gewalt noch List
Von dem Friedländer weg soll treiben,
Der ein Soldatenvater ist. /V.1029-1034/
/hervorgehoben von mir: Z.K./
Aus
der Perspektive der Charakterisierung bildet
den wichtigsten Punkt die Bezeichnung „Soldatenvater“,
die am eindeutigsten die Figur des Herzogs
beschreibt und das am besten die Gefühle der
Soldaten zeigt. Die Bedeutung dieses Kompositums
sagt aus, daß Wallenstein seinen Männern nicht
nur einen Vater bedeutet, der ihnen Obhut
und Wohlstand sichert, sondern er ist auch
ein Soldat, also er hat ein Charakteristikum,
das mit ihnen übereinstimmt. Eben wegen dieser
Eigenschaft stehen ihm seine Krieger näher,
als dem Herrscher, der – warscheinlich – nicht
einmal eine Schlacht gesehen hat, geschweige
denn wüßte, wie das militärische System funktioniert.
Der Herzog nahm an Feldzügen teil, seine Männer
haben ihn kämpfen gesehen /z. B. die Situation,
in der man ihn ‚kugelfest‘ sah/, und sie haben
die Möglichkeit gehabt zu erleben, wie er
zum mächtigen Feldherrn aufgestiegen ist.
Das analysierte Bild verfügt auch über idealisierte
Züge. Diese Verschönerung kann darauf zurückgeführt
werden, daß sie mit dem Herzog nicht in engem
Kontakt stehen, seine Figur bildete sich aus
den ‚Legenden‘ des Lagers heraus. Dieser dritte
Teil zeigt viel mehr von den Spuren des echten
Charakters, als die vorigen zwei, aber sie
decken die Informationen nicht, die in den
Piccolomini und Wallensteins Tod vorkommen.
Diese Kenntnisse verstärken die Bemerkung,
daß im Falle Wallensteins Lager über keine
‚Charakterexposition‘ gesprochen werden kann.
Wie gesagt, die Soldaten wissen nicht, warum
der Herzog mit dem Kaiser im Konflikt steht.
Der Friedländer betrachtet die Armee als sein
Eigentum, sie ist nicht mehr, als ein Mittel,
seine Ziele zu erreichen.
Der Entschluß der Soldaten war nicht von der
idealisierten Figur des Herzogs motiviert,
sondern sie wurden viel mehr von ihren eigenen
Interessen und Bedürfnissen dazu bewegt, so
eine Entscheidung zu treffen. Die ‚sympathische–
und väterliche‘ Seite des Herzogs hat die
Wahl nur leichter gemacht.
6. Summierung. Versuch einer Charakterinterpretation
In diesem letzten Kapitel werden die während
der Analyse festgestellten Faktoren zusammengefasst
und versucht, auf die aufgetauchten Fragen
eine Erklärung zu finden.
In der Fachliteratur wird der Charakter des
Herzogs in dem Gesamtwerk analysiert und interpretiert,
sie legen mehr Wert auf jene Eigenschaften,
die von dem Friedländer selbst zu erkennen
sind. Die meisten Studien begnügen sich damit,
den Charakter im Lager durch die zwei Perspektiven
zu deuten. Die vorliegende Arbeit wählt eine
neue Annäherungsmethode zur Charakterdeutung:
sie analysiert die Figur des Herzogs nur anhand
Wallensteins Lager.
Obwohl Wallenstein selbst in diesem Drama
nicht auftritt, ist sein ‚Schattenbild‘ „[…]
der geheime und offene Bezugspunkt aller Gespräche
und Aktionen.“
Der Leser erkennt ihn aus zwei Spiegeln, von
denen beide trügen .
Er wird von subjektiven Meinungen und Überzeugungen
aus beschrieben, von den Soldaten und von
dem komisch auftretenden Pfarrer. Die zwei
entgegengesetzten Perspektiven beziehen sich
auf die Verwicklung und auf die Ambivalenz
des Charakters in den anderen zwei Teilen
der Trilogie, aber sie können als keine Charakterexposition
angesehen werden, wie im dritten Kapitel schon
erörtert wurde. In der rhetorischen Analyse
ist schon erwähnt worden, was für Gründe den
Pfaff dazu bewogen haben, Friedland so negativ
zu gestalten? und jetzt wird auf die Perspektive
der Soldaten konzentriert und die Ergebnisse
der Analyse noch einmal überprüft.
Der Fürst wird von seinen Kriegern als eine
charismatische und legendenhafte Persönlichkeit
dargestellt, die sich mit falschen Mächten
verbündete, um mächtig werden zu können. Worauf
kann seine Größe in den Augen der Soldaten
zurückgeführt werden? Wallenstein „[…] verkörpert
den neuen Typ eines Feudalherrn, der im Kriege
rasch emporsteigt“ , und eine beneidenswerte
Karriere im Krieg gemacht hat. Er hat sich
selbst groß gemacht im Gegensatz zum Kaiser,
der wegen der feudalen Gesetze auf dem Tron
sitzt. Eine so schnelle Karriere war in dem
determinierten Feudalismus fast unmöglich,
Wallenstein gehörte zu den wenigen in der
Geschichte, denen sowas gelungen ist. Diese
‚Seltenheit‘ kann die Ursache sein, daß seine
schnell emporsteigende politische – also öffentliche
– Laufbahn auf solche Art erklärt wird, welche
in seinen Männern Bewunderung hervorrief.
Er kommt als ein Vorbild im Werk vor, aber
nicht nur wegen seiner idealiserten Eigenschaften
und charismatischen Persönlichkeit, sondern
wegen seiner politischen Erfolge. Der rasche
Emporstieg des Herzogs weist nicht mehr auf
die Determiniertheit des Menschen hin, sondern
die Möglichkeit zur persönlichen Aufhebung,
den Durchtritt der feudalen Grenzen. Die Soldaten
verehren deshalb den Friedländer, weil er
aus eigener Kraft emporgestiegen ist, und
sein Charakter wurde wegen dieser ungewöhnlichen
Aufhebung idealisiert. Es verstärkt nur seine
Größe, daß er einmal ein Soldat war und zum
Oberbefehlhaber wurde, also er verkörpert
die Hoffnungen und Träume der damaligen Soldateska.
Im Lager kommt die ‚Machtfrage‘ das erste
Mal vor, die einen wesentlichen Bestandteil
des Gesamtwerkes bildet. Die Frage beinhaltet
das Zentralproblem der Trilogie: ‚Wem gehört
das Heer?‘ Diese Frage bildet aus dem Grunde
das Zentralproblem des Dramas, weil man mit
deren Beantwortung den Fürsten entweder zum
Verräter stempelt oder von der Sünde des Verrat
freispricht. Es ist deshalb so, weil das Heer
die Grundlage der Macht bildet , worüber
sowohl Wallenstein als auch Ferdinand vollkommen
im Bilde sind. Schon in diesem ersten Teil
geht es hinter den Kulissen um das Ringen
der beiden, die Armee zu gewinnen. Der Kaiser
will das Ziel durch eine Umgruppierung, der
Herzog durch den doppelten Lohn und den gesicherten
Wohlstand erreichen. Die vereinfachte Formel
sieht also folgendermaßen aus: Wer das Heer
hat, hat auch die Macht.
Die Beantwortung der Frage‚‘Wem gehört das
Heer?‘ ermöglicht zwei Alternativen. Wallenstein
allein hat das Heer auf eigene Kosten Zustande
gebracht, er hat die heimatlosen Soldaten
zu einer übernationalen Armee zusammengeschmiedet,
und er ernährt jetzt sein „Reich von Soldaten“
/Lager Z.326/, also im Prinzip bildet ‚seine
Schöpfung‘ sein Eigentum. Man darf aber nicht
außer Acht lassen, daß er dem Kaiser Eid schwur,
der an der Spitze der feudalen Hierarchie
stehenden Person, deren ‚Religionskrieg‘ die
Kirche unterstützt. Diese Tatsache zeitigt
also die ‚peinliche Situation’, daß nach den
feudalen Regeln der Kaiser über das Heer verfügt.
Es ist nicht egal, welche Alternative gewählt
wird. Wenn die zeitlichen Verhältnisse siegen,
dann ist Wallenstein ein Verräter, weil er
mit dem Heer des Herrschers einen Verrat begehen
will. Aber wenn die Armee als das Eigentum
des Herzogs angesehen wird, ist er kein ‚Angeber’,
sondern ein freier Mensch, der mit seiner
Macht das tut, was er will.
Die ‚Wem gehört das Heer?‘ Problematik bestimmt
einen wichtigen Punkt in dem Gesamtwerk: Die
Beziehung zwischen Friedland und Ferdinand.
Es ist eine logische Bestrebung von den beiden,
daß sie um die Armee ringen, weil die Macht
allein auf ihr basiert. Wie die Analyse zeigt,
„[...] [wird] im Lager wie in den Piccolomini
Wallenstein eindeutig dem Kaiser gleichgestellt,
ja übergeordnet. Wallenstein genießt nicht
nur die Privilegien wie der Kaiser, sondern
er ist auch der Garant des Kriegsglücks und
damit der freien Existenz der Soldaten? nur
ihm fühlen sie sich eidpflichtig.“
Wie hier zu sehen ist, wird der Herzog von
dieser unteren Schicht
dem Kaiser übergeordnet, wie die Aussage Questenbergs
in den Piccolomini zeigt: „Hier ist kein Kaiser
mehr, der Fürst ist Kaiser!“ /Piccolomini,
I/3. V.294/
Im Lager wird Wallenstein nicht als ein Knecht
des Herrschers angesehen, sondern als ein
eigenständiger Herr, dem die Armee gehört.
Dadurch, daß die Soldaten das Heer als das
Eigentum von Wallenstein ansehen, betrachten
sie ihn nicht als Verräter.
Aber warum sehen die Soldaten die Persönlichkeit
des Herzogs so, daß sie ihre Loyalität zu
ihm in einem Pro memoria festhalten wollen?
Erstens weil sie glauben, daß sie mit ihm
gemeinsame politische Ziele haben, zweitens
weil sie in ihm ihre Möglichkeit zur Aufhebung
sehen /das Beispiel Buttlers/. Aus ihrer
Perspektive betrachtet ist diese Lösung ganz
logisch, weil sie glauben, daß der Krieg dem
Herzog nützt, seine Stärke zu vergrößern.
Diese ‚blinde Masse‘ kann aber die größeren
politischen Zusammenhänge nicht durchschauen,
deshalb kommen sie auf so eine Schlußfolgerung.
Wallensteins politische Bestrebungen und Ziele
sind ebenso widerspruchsvoll wie sein ganzer
Charakter. Nach der Meinung Gert Uedings besteht
das Endziel Wallensteins in einer neuen europäischen
Friedensordnung , die in Octavios Äußerung
in den Piccolomini aufzufinden ist.
Octavio.
[…]
Nichts will er, als dem Reich den Frieden
schenken,
Und weil der Kaiser diesen Frieden haßt,
So will er ihn - er will ihn dazu Zwingen!
/Piccolomini, V/1. V.2333-2335/
Es
besteht also ein Widerspruch zwischen den
beiden vermeintlichen politischen Zielen des
Herzogs, über die die verschiedenen Schichten
verfügen. Es ist also ein bestimmender Faktor,
daß die Soldaten davon überzeugt sind, daß
das wichtigste Ziel des Herzogs in der Fortführung
des Krieges besteht, weil sie wegen dieses
Glaubens in einer totalen politischen Blindheit
leben. Von ihnen wird der „Soldatenvater“
/Lager, V.1034/ charakterisiert, deshalb ist
es kein Wunder, daß das ‚Spiegelbild‘ trügt.
Ich hoffe, daß es mir in diesem kurzen Interpretationsversuch
gelungen ist, auf die aufgetauchten Fragen
eine Antwort zu finden und die ‚Schattenseite‘
dieses ambivalenten und widersprüchlichen
Charakters zu erhellen bzw. die Wichtigkeit
des Lagers hervorzuheben.
Koopmann, Helmut: Friedrich Schiller. Bd.
2. 1794-1805. – 2., erg. u. durchges. Aufl.
– Stuttgart: Metzler 1977.
Ausführlicher bearbeitet im Kapitel 2:
Über die Funktion des Lagers in der Trilogie.
Vgl. Asmuth, Bernhard: Einführung in die
Dramenanalyse. – 3., durchges. u. erg. Aufl.
- Stuttgart: Metzler 1990. S.90ff. (zitiert
wird: Asmuth (1990): Seitenzahl.)
Wiese, Benno von: Schiller Wallenstein
- In: Wiese, Benno von /Hrsg/: Das deutsche
Drama: Vom Barock bis zur Gegenwart. Band
I. - Düsseldorf: August Bagel 1980. S. 272.
(Zitiert wird: Wiese (1980): Seitenzahl.)
Vgl. Hinderer, Walter: Wallenstein. -
In: Hinderer, Walter /Hrsg./: Interpretationen
Schillers Dramen. - Stuttgart: Reclam 1989.
S. 218. (Zitiert wird: Hinderer (1989): Seitenzahl.)
Vgl. Albrecht, Günther: Erläuterungen
zur deutschen Literatur: Klassik. Berlin:
Volk und Wissen, 1962 S. 373. (Zitiert wird:
Erläuterungen (1962): Seitenzahl.)
Vgl. Ueding, Gert: Klassik und Romantik.
Deutsche Literatur im Zeitalter der Französischen
Revolution 1789-1815. – München-Wien-usw.:
Hanser 1987. S. 223. (Zitiert wird: Ueding(1987):
Seitenzahl.)
Eine Ausnahme bilden die Äußerungen des
Ersten Jägers, aber darauf wird später reflektiert.
Schiller, Freidrich: Wallensteins Lager.
– In: Friedrich Schiller. Werke. Band 8. –
Weimar: Hermann Böhlhaus 1949. (Nationalausgabe).
(Im folgenden wird nach den Zitaten aus dem
Primärtext nur die Verszahl in Klammern angegeben.)
Diese Verse bilden das Fundament für
die Überzeugung in der Machtfrage.
Hinderer (1994): S. 44.
In der ungarischen Nachdichtung von Lajos
Áprily wurde nur diese Möglichkeit wiedergegeben:
„Nem árt neki a legvadabb tusa.“ S. 28. In:
Schiller, Friedrich: Wallenstein tábora. –
In: Schiller, Friedrich: Drámák. Ford.: Áprily
Lajos. - Budapest: Európa 1980.
Ausführlicher beim Ethos
Zitiert nach Pfister, Manfred: Das Drama.
8. Aufl. - München: Fink 1994. S. 212. (Zitiert
wird: Pfister(1994): Seitenzahl.)
Vgl. ebenda
Die Logos-Strategie – oder anders genannt
‚Redegegenstand‘ – „[…] will durch ein parteiliches
Eingehen auf den vorliegenden Sachverhalt
überzeugen […]“. /Pfister: S. 213./ Durch
diese Strategie werden die intellektuellen
Kräfte des Publikums angesprochen. Der Apell
an die Einsicht des Publikums erfolgt durch
informatives Belehren oder als argumentatives
Beweisen. /Vgl. Göttert: S. 22./ In der Rede
des Pfarrers kommen beide Komponenten vor.
Vgl. Plett, Heinrich F.: Einführung in
die rhetorische Textanalyse. 8. Aufl. - Hamburg:
Buske 1991. S. 15. (Zitiert wird: Plett (1991):
Seitenzahl.)
ebenda
ebenda
Vgl. Göttert, Karl-Heinz: Einführung
in die Rhetorik. 2., verb. Aufl. – München:
Fink 1994. S. 17. (Zitiert wird: Göttert (1994):
Seitenzahl.)
Vgl. Plett (1991): S. 16.
ebenda
Diese Feststellung wird am Ende dieses
Kapitels erörtert.
Vgl. Plett (1991): S. 16.
ebenda
ebenda
Ausführlicher beim Pathos
Plett (1991): S. 26.
Hinderer (1994): S. 38.
Ausführlicher beim Pathos
Vgl. Göttert (1994): S. 32.
Vgl. Arisztotelész: Rétorika. Ford.:
Adamik Tamás. – Budapest: Thélosz 1999. S.
14ff. (Zitiert wird: Arisztotelész (1999):
Seitenzahl.) und Göttert (1994): S. 32.
Vgl. Plett (1991): S. 16.
Diese Metapher bzw. die Funktion der
Metapher wird beim Schmuck mit besonderer
Aufmerksamkeit bearbeitet.
Vgl. Plett (1991): S. 16.
„Der sprachliche Schmuck stellt ohne
jede Frage das meistabgehandelte Kapitel der
Rhetorik dar – und ist zugleich dasjenige,
das die größte Verachtung auf sich gezogen
hat.“ /Göttert: S. 44./ In meiner Arbeit bekommt
er auch eine große Rolle. In der Geschichte
dieser Disziplin kann man beobachten, daß
die rhetorischen Schulen die sprachlichen
Erscheinungen im Bereich des Schmucks je anders
benannt haben. (Aristoteles bezeichnete als
einzigen Schmuck die Metapher im Gegensatz
zu Herrenius, der mehr als vierundsechzig
voneinander unterschied.) In meiner Terminiverwendung
möchte ich mich anhand von Göttert an Lausberg
halten. Diese Analyse hat nicht das Ziel,
eine vollständige rhetorische-sprachliche
Analyse des Schmucks zu geben, sondern sie
versucht diese sprachlichen Erscheinungen
nur soweit zu beschreiben, wie sie mit der
Charakterisierung von Wallenstein zusammenhängen.
Siehe im Unterkapitel: Struktur
Vgl. Göttert (1994): S. 54.
Vgl. Göttert (1994): S. 68.
Die zweite Funktion wird im Kapitel Ethos
beschrieben.
Im Rom des Altertums wurde von Menenius
Agrippa, von dem Boten der Patrizier vor dem
plebejischen Senat eine Rede gehalten /509
v. Chr.?/, in der er den Staat mit dem menschlichen
Körper identifizierte. Eine ähnliche Identifizierung
erscheint in der Rede des Kapuziners, deshalb
würde ich diese Fügung als Staatskörpermetapher
bezeichnen. In: Livius, Titus: Die Anfänge
Roms. Römische Geschichte I-V. – Übersetzt
von Hans Jürgen Hillen – München: Deutscher
Taschenbuchverlag 1991. S. 158.
Hinderer (1994): S. 38.
In der Menenius Agrippa-Fabel in der
Erzählung von Livius wird mit der Beziehung
zwischen den einzelnen Organen und dem Magen
argumentiert.
Diese Problematik wird im Kapitel: Summierung.
Versuch einer Interpretation bearbeitet.
„Die Ethos-Strategie beruht auf dem Herstellen
der Zuverläßigkeit und Glaubwürdigkeit des
Sprechers, der seine eigene moralische Integrität
oder seine sachliche Autorität zum Hauptargument
für die Richtigkeit seiner Ansichten macht.“
/Pfister: S. 213./ Der Sinn der Analyse des
Ethos wäre also, zu bestimmen, wer der Mann
ist, der den Herzog charakterisiert. Zum Ethos
gehören der Charakter des Redners, seine Bildung,
sein Alter, die äußeren Charakteristika und
die inneren Eigenschaften, weil sie die ganze
Einstellung des Redners zur Rede und die des
Publikums zum Redner bestimmen können.
„Er hat nach und nach bei den letzten
Worten, die er mit erhobener Stimme spricht
[…]“ /V.625/
Vgl. Wiese (1980): S. 273.
Vgl. Vajda, György Mihály: Schiller.
- Budapest: Muvelt Nép 1953. S. 144.
„Die Pathos-Strategie […] ziehlt unmittelbar
auf die Erregung der Affekte des Hörers ab:
durch das Aufwühlen heftiger Emotionen soll
er zur Identifikation mit der Position des
Sprechers gebracht werden.” /Pfister: S. 214./
Pathos dient zum Erregen der Leidenschaften
des Zuhörers. /Vgl. Göttert: S. 23./ Zur Pathos-Rhetorik
gehören solche sprachliche Techniken, wie
z. B. der durch Tropen und Figuren überhöhte
Stil, oder die rhetorischen Fragen. /Vgl.
Pfister: S. 213./
Vgl. Arisztotelész (1999): S. 97.
Vgl. Pfister (1994): S. 213.
Ueding (1987): S. 224.
Vgl. Dániel, Anna: Schiller világa. -
Budapest: Európa 1988. S. 196. (Zitiert wird:
Dániel (1988): Seitenzahl.)
Erläuterungen (1962) S. 378.
Vgl. Hinderer (1989): S. 219.
Hinderer (1994): S. 38.
Vgl. Hinderer (1989): S. 218.
Vgl. Dániel (1988): S. 200.
Vgl. Ueding (1987): S. 225.
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